Ein Rückblick
„Eine Krise der Kraft: Saturn und Pluto im Machtkampf",
erschienen im The Mountain Astrologer, Aug./Sep. 2001
geschrieben von Robert Hand
Der Mundanastrologe als Prophet
Seit den Ereignissen des 11. Septembers erhalte ich immer wieder E-Mails und Anrufe wegen dieser Vorfälle und ihrer möglichen Bedeutung. Wie einige von Ihnen wissen, haben ich und andere Astrologinnen im Vorfeld Artikel geschrieben, die einige Anspielungen darauf beinhalteten, was im September passiert ist und was in naher Zukunft noch geschehen könnte. Natürlich ist es erfreulich zu sehen, dass unsere astrologischen Techniken für die Prognose von Weltgeschehen so effektiv sein können, aber diese hohe Wirksamkeit brachte mich auch zum Nachdenken über unser Tun. Darüber möchte ich hier schreiben.
Um ehrlich zu sein wurde jegliche Befriedigung, die ich durch das „Voraussagen" dieses Ereignisses gefühlt haben könnte, bei weitem vom Horror dessen überwältigt, was wirklich geschehen ist. Ich schrieb meinen Artikel („Eine Krise der Kraft: Saturn und Pluto im Machtkampf", The Mountain Astrologer, Aug./Sep. 2001), aus einer absolut unvoreingenommenen Position. Ich weiß, was die Planeten und ihre Aspekte bedeuten. Ich bin auch mit den Techniken vertraut, die traditioneller Weise herangezogen werden, um mundane Ereignisse zu prognostizieren, und ich habe dieses Wissen und diese Techniken darauf angewandt, was die Saturn-Pluto-Opposition bedeuten könnte. Jene unter Ihnen, die den Artikel gelesen haben, wissen, dass nichts Ungewöhnliches an diesem Prozess war. Ich erläuterte mein Denken fortlaufend und so kam meine Schlussfolgerung auf einem absolut rationalen Weg zustande. Daran gab es nichts Okkultes, nichts Mysteriöses – es handelte sich lediglich um die Anwendung der Prinzipien.
Als die Flugzeuge in die Türme krachten, veränderte sich alles!
Der Horror, mit welchem sich der von mir und anderen im vorhinein berechnete Symbolismus manifestiert hat, bewirkte eine grundsätzliche Veränderung meiner Haltung gegenüber der mundanastrologischen Prognose. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich zu einem endgültigen und klaren Schluss gekommen bin, aber so ist es nicht. Viele Punkte der Mundanvorhersage sind mir noch immer nicht klar und verwirren mich, aber einige Dinge gewinnen langsam an Klarheit.
Astrologie ist eine „nicht anerkannte" Disziplin. Sie wird von der eigenen Gesellschaft nicht unterstützt und nicht sehr ernst genommen – mit Ausnahme von einigen Fällen, in denen sie in negativer Hinsicht interpretiert wird. Jene unter uns, die Astrologie praktizieren und an ihre Brauchbarkeit glauben, müssen sich immer wieder damit auseinandersetzen, dass andere unserem Handwerk mit großem Zweifel und mit Respektlosigkeit begegnen. Das führt dazu, dass wir der Welt die Brauchbarkeit und Gültigkeit der Astrologie beweisen wollen, und daher Prognosen über das Weltgeschehen erstellen.
In der Individualastrologie sind Vorhersagen eine sehr heikle Angelegenheit. Die Klienten wollen wissen, was ihnen das Leben bringt. Das ist deshalb problematisch, weil die meisten Astrologinnen glauben, dass die Zukunft nicht fixiert ist. Ich glaube, dass die Themen innerhalb bestimmter Grenzen ungefähr festgemacht werden können, aber wie wir mit den Themen umgehen und was im Endeffekt rauskommt, ist nicht vorher festgelegt. Wir als Astrologen wollen die Menschen dabei unterstützen, mit den Energien kreativ umzugehen, sodass sich diese in der best- und höchstmöglichen Form manifestieren. Dabei geht es nicht um falschen Optimismus. Jedes Resultat ist das Produkt eines Bewusstseins, welches mit Energien arbeitet. So sollte es bei uns und unseren Klienten sein.
Was aber machen wir mit Nationen? In der Mundanastrologie wird der Klient durch Nationen und Völker ersetzt. Es gibt allerdings einen Unterschied. Nationen und Völker sind während der Analyse nicht anwesend. Es gibt kein Gespräch mit dem „Klienten". Des weiteren glauben die meisten Nationen nicht an Astrologie. Wenn es die Funktion eines Astrologen ist, seine Klienten dabei zu unterstützen, die Achtsamkeit auf bestimmte Themen zu lenken, wie können wir das bei Nationen erreichen? Es scheint so, als ob wir nur die Möglichkeit der Prognose haben – für einen Klienten, den wir nicht wirklich beraten können. Das Problem ist, dass, wenn ein Klient seine Aufmerksamkeit in einer Krise nicht schärft, sich diese Krise in der schlimmstmöglichen Art und Weise manifestiert. Möglicherweise könnte das bei Nationen und Völkern der Fall sein.
Wenn die Prognose aber keine Änderung dessen bewirken kann, was prognostiziert wird, wofür ist sie dann gut? Dann handelt es sich lediglich um eine Möglichkeit für den Astrologen, recht zu haben und die Astrologie zu „beweisen". Es scheint, dass wir gerade einen solchen Fall hatten. Um ehrlich zu sein, kann ich all dem keine große Befriedigung abgewinnen!
Natürlich könnten wir nun einfach überhaupt damit aufhören, solche Vorhersagen zu tätigen. Das würde dann bewirken, dass wir keine Suggestionen mehr in die Köpfe der Menschen pflanzen. Wir könnten uns nur noch den einzelnen Menschen widmen, denen wir eher behilflich sein können als Nationen. Oder aber wir könnten die Art und Weise verändern, wie wir Mundanastrologie betreiben. Wir könnten damit beginnen, dass wir versuchen, für Nationen und Völker das gleiche zu tun, wie für das einzelne Individuum. Vielleicht würde man nicht auf uns hören, aber wir würden unserer Verantwortung gerecht werden.
Ein Prophet in der Bibel war niemand, der Vorhersagen machte. Ein Prophet war jemand, der den Willen Gottes so interpretierte, dass sich dieser auf die Menschen bezog. Das Ziel war es, das Volk zur Verhaltensänderung zu bewegen, sodass Konsequenzen, zu denen es sonst kommen hätte können, abgewendet werden konnten. Ich bin natürlich nicht so arrogant oder von mir eingenommen, dass ich behaupte, ich oder andere Astrologen hätten einen direkten Draht zum göttlichen Willen. Aber wenn das, was wir tun, irgendeinen Wert hat, dann doch den, dass wir aufgrund unseres Wissens dabei unterstützen können, einen Weg in Richtung besserer Lösungen zu weisen. Was kann man nun mit all diesen Punkten im Hinterkopf über die Saturn-Pluto-Opposition sagen, sodass Einsichten gewonnen werden können, wie ich sie eben beschrieben habe?
In erster Linie handelt es sich um eine Opposition. Wie ich in meinem Artikel im TMA bereits erläutert habe, ist eine Opposition eine Zeit der maximalen Polarisierung von Energien. Aber es ist auch eine Zeit, in der etwas kulminiert, das seine Wurzeln in der Konjunktion hatte. Es ist weiters eine Zeit, in der es zu einer radikalen Neuausrichtung der Energien kommen kann, sodass wirkliche Veränderungen vorgenommen werden können.
Die Saturn-Pluto-Konjunktion fand 1982 während des Krieges zwischen den afghanischen Rebellen und der Sowjetunion statt. Ironischerweise – in Anbetracht der jüngsten Ereignisse - unterstützten die USA damals die Mujahedin, jene Rebellen, die gegen die Russen kämpften. Zu den Mujahedin gehörten unter anderem die späteren Taliban, aber auch Osama bin Laden und seine Anhänger. Als der Krieg beendet war, stellte die USA die Unterstützung ein und überließ Afghanistan dem Bürgerkrieg. Die Afghanen lernten damals zwei Dinge: (1) Auf die amerikanische Unterstützung kann man sich nicht verlassen, wenn keine amerikanischen Interessen befriedigt werden. (2) Mit entsprechenden Ressourcen und ihrem Kampfstil können sie auch eine Großmacht besiegen. Somit wurde damals der Samen der heutigen Situation gesät, welche sich jetzt in der Saturn-Pluto-Oppositon zugespitzt hat.
Die Kombination von Saturn und Pluto weist auf eine große Strukturveränderung hin. Bis jetzt war unsere Außenpolitik bestenfalls von aufgeklärtem Selbstinteresse geleitet. Was wir jetzt ganz klar benötigen, ist eine Veränderung dieser Struktur. Wir brauchen ein noch aufgeklärteres Selbstinteresse.
Nichts kann die Ereignisse des 11. September 2001 entschuldigen. Nichts was ich sage soll dahingehend interpretiert werden, eine Rechtfertigung für unsere Feinde zu sein, wer auch immer diese sein mögen. Sie haben die Grenzen des von der Zivilisation Tolerierbaren überschritten, gleichgültig was auch immer ihre angeblichen Gründe sind. Wir müssen unser Möglichstes tun, um dem Terrorismus ein Ende zu bereiten. Dann müssen wir etwas anderes tun. Wir müssen viel weiter vorausdenken, in viel größeren Dimensionen; und damit die Struktur verändern, die die jetzige Situation hervorgerufen hat. Wir dürfen eine Regierung nicht nur deshalb unterstützen, weil sie vorgibt unser Freund zu sein; wenn die Politik dieser Regierung jene Art von Zorn begünstigt, die, wie in diesem Fall, die Schwelle zum Wahnsinn und zur psychopathischen Aktion überschritten hat. Solche Regierungen zu unterstützen, mag vielleicht kurzfristige Geschäftsinteressen befriedigen, aber die langfristigen Verluste sind größer als die kurzfristigen Gewinne. Wenn die Außenpolitik nicht von einer höheren Moral geleitet wird, dann sollte sie zumindest den langfristigen Interessen folgen. Die Saturn-Pluto-Opposition ist eine Zeit des Umstrukturierens, und das ist etwas, was diese Umstrukturierung mit sich bringt. Es wäre gut, wenn der „Klient" zuhören und aus dem höheren Symbolismus dieser weitreichenden Planetenenergien schöpfen würde.
Copyright 2001 Robert Hand
Spica dazu:
Robert Hand gilt in Astrologiekreisen als ein profunder Kenner. Was mich an diesen nachgereichten Artikel stört, ist seine Art, Entschuldigung zu sagen und eine Erklärung zu liefern für das, was er richtigerweise und zeitgenau prognostizierte. Für mich ist das Katzengejammer. In dem Artikel zeigt sich die Identität zwischen Gesellschaft und seinem Ich, zwar mit Differenz der Anschaungen versehen aber ohne die dazugehörige seelische Distanz. Er, bleibt als Astrologe Gefangener des herrschenden WissenschaftsSystems. Dann meint er zudem, seine Aufgabe und Verantwortung darin zu haben diese absurde Welt zu heilen, ohne in Erwägung zu ziehen das sie heil-los sein könnte. Das ist ein gängiger, sozialer Zug in der Astrologie der Gegenwart eine Art utopischer Jungmädchentraum der Gegensätze und Unvereinbarkeiten nicht ertragen will. Eine Art Astrologentypischer Verdrängungunsprozeß. "Oh Entschuldigung ich habe Recht gehabt". Statt zu sagen: Das war der Preis der Machtpolitik - ein Rückschlag in Machtfragen( Saturn/Pluto ) Zwilling/Schütze - für die USA..
@Alphötta
Als Schweizer solltest du die Treindldaten kennen. Außerdem interessieren doch Zeitinhalte und keine Bogensekunden. Meiner bescheidenen Meinung nach ablenkender Nonsens. Statt inhaltlicher Genauigkeit kommts nur zur bis zur rechnerischen Exaktheit. Das Wirkliche erlaubt sich ja auch gewisse Spielräume. Also Tendenz 1515 bis 1516 Pluto in 00° Steinbock. Punkt. Aber wo ist die Aussage?
Astrologische Zeitanalysen und Terminplanung
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